Donnerstag, 8. Juni 2017

Alberto Giacometti: Taumelnder Mann



In seinem Werk „Taumelnder Mann“ spiegelt Giacometti die Philosophie des Existenzialismus von Jean Paul Sartre, die Betrachtung des „Seins“ und „Nicht Seins“ und der materiellen Existenz, durch die Gestaltung des Volumens und der Masse der Figur und dem sie umgebenden Raum wider. 

Während die Figur des Mannes das „Sein“ symbolisiert, stellt alles um die Figur herum, der leere Raum, das „ Nicht Sein“ dar, was auch als bedrohlich assoziiert wird. Dies wird an der taumelnden Bewegung des Mannes , der zu fallen droht, deutlich. Die Plinthe, deren relativ hohe und massive Ausführung auffällt, könnte die Verbundenheit und Abhängigkeit der menschlichen Existenz von der Materie aufzeigen.

In dem Kunstwerk findet eine dynamische Bewegung in Richtung des Armes statt (Raumweisende Gestaltung). 

Auch der geringe Kontakt der Figur zur Plinthe, trotz der dicken Füße, unterstreicht den Bewegungsvorgang des Fallens. Doch dass der Mann letztendlich fallen wird  verrät der Schwerpunkt der Figur, der nicht über den Füßen liegt, wie es sein müsste, um das Gleichgewicht zu halten, sondern deutlich über die Plinthe hinausragt, während die Beine nicht reagieren. 

Was auf den ersten Blick auf dieses Kunstwerk außerdem  als auffällig erscheint, sind die unnatürlichen Proportionen  des Mannes. Nur die Füße, das Becken, die Schultern und die Brust besitzen etwas mehr Masse, der restliche Körper bleibt drahtähnlich dünn und wirkt geradezu zerbrechlich. Die Oberfläche ist überall stark zerklüftet, so dass selbst an den massereicheren Stellen kein echtes Volumen entsteht. 
Das Verhältnis von Volumen zu Raum hat sich extrem zu Gunsten des Raumes verschoben, man spricht auch von einer Raumlineatur.

Mittwoch, 7. Juni 2017

Volumen und Raum in der Plastik I



Körper können in der Kunst viele verschiedene Formen haben. Betrachtet wird dabei immer das Volumen, also der definierte Raum bzw. die Form  und der Raum, der allerdings schwierig zu definieren ist, da er nicht von einer Form belegt ist. Analysiert wird dann das Verhältnis von Volumen und Raum.
Ein Beispiel für einen Körper ist der Würfelhocker aus Granit, der den ägyptischen Priester Petamenophis darstellt, aus dem Jahr 680 v.Chr. Der Würfelhocker ist durch seine Kernform sehr kompakt, man stellt sich aber hier die Frage „Warum ist er viereckig?“ Es fällt auf, dass nur ein einziges Körperteil von Petamenophis dreidimensional dargestellt wird und zwar sein Kopf bzw. sein Gesicht. Das Gesicht macht den Würfelhocker einzigartig, genau wie bei einem lebendigen Menschen, denn an einem Körper ist es schwierig jemanden zu identifizieren, aber ein Gesicht, ist eindeutig. Bei der Darstellung des restlichen Körpers fehlt diese Dreidimensionalität, denn es fehlen viele Zwischenräume, zum Beispiel zwischen den Beinen, und die Extremitäten werden nur reliefartig angedeutet, dadurch sind sie nicht wirklich dreidimensional. Es sieht aus als ob Petamenophis ein Tuch eng um sich liegen hat. Am Rücken sowie am Boden sind zwei Platten mit denen er fest verbunden ist. Die Bodenplatte stellt hierbei die Basis da, man nennt sie auch Sockel oder Plinthe. Auf ihr  sind Schriftzeichen und Figürchen abgebildet, die man auch auf seinen Beinen und der Rückseite finden kann.
Warum Würfelhocker überhaupt gefertigt wurden lässt sich durch die Religion erklären. Der Körper hatte im alten Ägypten eine wichtige Rolle zum Weiterleben nach dem Tod. Die Figur wurde anstelle eines balsamierten Körpers angefertigt, da sie um einiges günstiger war. In ihr wurde die Seele identifiziert. Der Name wurde mit Hieroglyphen auf den Sockel geschrieben. Der Körper wurde nicht individuell dargestellt, daher auch nur die reliefartige Darstellung, der Kopf aber ist ein echtes Portrait. Auch die Wahl Des Materials hat eine tiefergehende Bedeutung. Granit ist für seine Härte bekannt und dadurch soll das Abbild für die Ewigkeit halten. Auch die Pose trägt zur Erhaltung der Figur bei. Denn sie bietet durch die statische  Darstellung sehr wenig Angriffsfläche und ist daher sehr stabil.


Sonntag, 12. Februar 2017

„Kichkas Frühstück“


Künstler: Daniel Spoerri
Der Schweitzer Daniel Spoerri wurde am 27.05.1930 in Galati, heutigem Rumänien, geboren. Er ist ein bekannter Künstler, war auch Tänzer und Regisseur und einer der bedeutendsten Vertreter der Objektkunst. 1960 wurde er zum Mitbegründer der „Nouveau Realissme“, übersetzt „der neue Realismus“. Die Künstler der Nouveau Realisme versuchten dem Betrachter ein leichter verständliches Bild von sich bzw. ihrer Idee zu geben. 1968 gründete er in Düsseldorf das „Restaurant Spoerri“ und die dazugehörende „Eat Art Galerie“, womit er zum Begründer der Eat Art Gattung wurde. Von 1978-1982 war er als Professor in Köln tätig. Die nächsten sieben Jahre unterrichtete er an der „Akademie de bildenden Künste“ in München. Zu diesem Zeitpunktschrieb er mehrere Kochbücher, welche jedoch mehr künstlerischen als praktischen Wert besaßen. Im Jahr 1997 eröffnete Daniel Spoerri in der Toskana einen Künstlergarten, in dem über hundert Installationen von ihm und seinen Freunden ausgestellt sind, ein Gutteil davon Werke in Bronze.
Seit 2007 lebt der Schweizer Künstler in Wien.
Daniel Spoerri wurde vor allem durch seine „Fallenbilder“ und der „Eat-Art“ bekannt. Fallenbilder, auf französisch „Tableau Piège“ sind.
Daniel Spoerri gab folgende Definition: „Gegenstände, die in zufälligen, ordentlichen oder unordentlichen Situationen gefunden werden, werden in genau der Situation, in der sie gefunden werden, auf ihrer zufälligen Unterlage (Tisch, Schachtel, Schublade usw.) befestigt. (..) indem das Resultat zum Bild erklärt wird, wird Horizontales vertikal. Beispiel: Die Reste einer Mahlzeit werden auf dem Tisch befestigt und mit dem Tisch an der Wand aufgehängt.“
Es wird somit ein Teil des Alltags eingefangen und fixiert, wie in einer Falle.
Die Fallenbilder sind eine bestimmte Art der Assemblagen.
Die Eat-Art beschreibt die Kunst rund ums Essen und was dazugehört. Zentrale Themen von Daniel Spoerri sind dabei zum Beispiel der Geschmacksinn des Menschen und das Hinterfragen von Essgewohnheiten. Denn der geborene Rumäne sieht Essen und Kochen ale einen Teil des Lebenszyklus.
„Kichkas Früstück“ wurde 1960 von Daniel Spoerri entworfen und ist eines seiner bekanntesten Werke. Die Assemblage ist eines der berühmtesten Fallenbilder und wurde von MoMA aufgekauft.
Das Bild zeigt einen schwarzen, alt wirkenden hölzernen Stuhl, auf dem ein von orangefarbenen Papier überzogenes Brett geklebt ist. Diese Kombination soll einen selbst konstruierten Frühstückstisch darstellen. Darauf steht ein eher ungewöhnlicher Aschenbecher mit Asche und alten Zigarettenkippen, zwei weiße Schüsseln mit Essensrückständen und eine Kaffeekanne aus Metall. Außerdem kann man ein Trinkglas, zwei Eierbecher, eine Salzdose, zwei weitere Dosen und zwei Löffel sehen. An fast allen Gegenständen sind Essensreste, die durch Konservierungsstoffe haltbar gemacht wurden. Alles ist am Tisch festgeklebt, der an der Wand hängt bzw. „steht“.
Die Anzahl der Schüsseln liegt nahe, dass zwei Personen hier ein dürftiges Frühstück zu sich genommen haben. Offenbar waren sie nicht wohlhabend, was die Brett-Stuhl-Kombination anstelle eines Tisches andeutet. Dennoch saßen sie wohl länger zusammen, was die Zigarettenkippenanzahl vermuten lässt.
Vielleicht gab es eine Unterbrechung ihrer gemeinsamen Mahlzeit; weshalb sie alles stehen und liegen ließen. Der Künstler wollte sich wohl an einen ruhigen Moment erinnern.
Es bleibt die Frage offen: Wer ist Kichka? Daniel Spoerri nannte sein Fallenbild „Kichkas Frühstück“, aber er erklärte nicht warum.
War Kichka ein Teilnehmer/in des Frühstücks? Ist das Werk ihm/ihr gewidmet? Und wenn ja, weil er/sie Daniel Spoerri etwas bedeutete? Oder weil es seine Grundidee war?
Vielleicht soll Kichka gar keine Person darstellen, sondern dem Künstler gefiel der Name?
Jedenfalls wollte Daniel Spoerri ein eher typisches Künstlerfrühstück darstellen, was auch dem Bohemien-Stil widerspiegelt, die ein wildes regelloses Künstlerleben führten.
Und dennoch kann man sein Werk auch als Echo des „Vanitas-Stillebens“ sehen, da die Reste der Mahlzeit Vergänglichkeit zeigen: Der Tisch ist verlassen, die Behältnisse geleert. Zudem ist auf Bilder von Vanitas-Stilleben häufig Essen und Zugehöriges zu sehen. Das größte Ziel von Daniel Spoerri war aber sicher, dem Betrachter die Möglichkeit zu geben, sich in sein Werk hinein zu versetzen und den Moment nachzuerleben.

Sonntag, 8. Januar 2017

Zur Schulaufgabe

Zusätzlich den neuen Protokollen für Q11 2016/17 schaut ihr euch bitte noch den Eintrag zu Personnes von Christian Boltanski aus dem letztjährigen Kurs an. Falls ihr noch mehr Informationen zu Picassos Stillleben mit Rohrstuhlgeflecht braucht, könnt ihr hier ein entsprechendes Protokoll finden. 
Wenn´s noch Fragen gibt, entweder hier in den Kommentaren oder e-mailen!
- Frau König

Abstraktionsebenen


Freitag, 6. Januar 2017

Raum-Installation am Beispiel Raffael Rheinsfeld




Mit dem Begriff Rauminstallation verbindet man zunächst einen ganzen Raum, der für ein Kunstwerk genutzt wird.

Als Beispiel nehmen wir die Rauminstallation „Koffermauer - Klagemauer“, die von Raffael Rheinsfeld inszeniert wurde.

Für diese Installation verwendete der Künstler viele Koffer und Überseekoffer, die alle gebraucht und sichtlich alt sind. Diese Koffer waren Eigentum von im Nationalsozialismus vertriebenen und geflohenen Juden. 
Die Wirkung dieses Kunstwerks ist enorm. Die vielen großen Koffer, die im Raum bis an die Decke hin übereinander und nebeneinander aufgereiht und gestapelt sind, wirken massiv, schier unendlich, wenn nicht sogar erdrückend.
Desweiteren ruft diese Installation eine Erkrnntnis auf. Die Koffer, die dort stehen, sind nicht fiktiv. Sie sind real und haben echten Menschen gehört. Sie wurden verwendet. Die Besitzer dieser Koffer können es geschafft haben, zu fliehen, vielleicht aber auch nicht. Ein schwerer Eindruck, wenn man dies erst einmal realisiert. 
Dieses Kunstwerk von Raffael Rheinsbach trägt eine Geschichte. Es baut Bezug zum zweiten Weltkrieg und den Verbrechen des Nationalsozialismus auf. 
Die im Titel enannte Klagemauer ist eine bedeutende religiöse Gebetsstätte des Judentums in Jerusalem.

Diese Installation ist allerdings nicht die einzige dieses Künstlers die sich auf den Nationalsozialismus bezieht. „Hand und Fuß“ ist ein weiteres, sich auf diese Zeit beziehendes Kunstwerk von Raffael Rheinsbach. Hier wurden Schuhe und Handschuhe in langen Reihen auf den Boden gelegt. Alle wurden von KZ-Gefangenen und Zwangsarbeitern getragen. 



Design- Analyse: Altmühltaler Mineralbrunnen



Das Design einer Flasche Wasser fällt in den Bereich Banaldesign. 
Diese Art von Design ist für uns alltäglich und entgeht beinahe unserer Aufmerksamkeit. Dabei gibt es vor allem bei Wasser das Problem, neben einer objektiv gegebenen Funktionsanforderung auch eine über die Gestaltung transportierte symbolische Aussage zu treffen, über eine Ware, die keine Farbe, keinen Geschmack und eigentlich auch keine besonderen Eigenschaften hat.

Viele Wässer tragen den Namen Mineralwasser, dies ist darauf zurückzuführen, dass früher als Grund für Krankheiten oftmals Mineralstoffmangel angegeben wurde. Dieser gute Ruf, dass Mineralien sehr gesund sind, hat sich bis heute erhalten.
Selbst die Schriftart von vielen Etiketten auf den Flaschen ist an die Schrift auf alten Apothekerflaschen angelehnt.

Die bekannteste Flasche, die Normbrunnenflasche, wurde 1968/69 von Günter Kupetz entworfen, dieses Design wird umgangssprachlich auch Perlflasche genannt und wurde bis 2013 etwa fünf Milliarden mal hergestellt.
Die Form der Flasche ist eine Zusammensetzung aus Zylinder und Kegel, sie könnten Assoziationen an ein Glasgefäß und einen großen Tropfen Wasser erwecken. 
In der Mitte der Flasche ist eine schlanke Taille, die mit Glasnoppen besetzt ist, diese ähneln Wassertropfen oder Gasbläschen und sorgen für Griffsicherheit (Ergonomie). 
Sie besteht aus durchsichtigen Glas, damit sich der Käufer von der Reinheit des Produktes überzeugen kann.
Der Verschluss ist aus rotem bzw. blauem Metall, dieser Farbton spiegelt sich vereinzelt auf dem Etikett wieder.

In Deutschland werden noch sehr oft Glasflaschen verkauft, obwohl sie relativ schwer sind und die Gefahr des Zerbrechens besteht. Glas verleiht dem Käufer das Gefühl genau zu wissen, was er kauft, außerdem besitzt Glas große visuelle Anziehungskraft, es kann den Inhalt größer, also als quantitativ mehr erscheinen lassen. Auch der gesundheitliche Aspekt spielt eine Rolle, Glas gibt keine Fremdstoffe an das Wasser ab.

Die traditionelle Perlflasche von Kupetz spricht eher eine gesundheitsbewusste, konservative Käuferschicht an.

Als Ziel des Design kann man festhalten, dass versucht wird Mehrwert zu erzeugen.
Somit hat das Design das Ziel, über den Wiedererkennungswert ein Image aufzubauen und über die eigentliche Ware hinaus Gesundheit, Lifestile, Gruppenzugehörigkeit usw. zu verkaufen.