Montag, 25. Juni 2018
Montag, 4. Juni 2018
Körper des Künstlers/Körper des Publikums
Wenn man sich mit Körpern in der Kunst auseinandersetzen
will, muss man sich zwangsläufig auch mit dem Expressionismus
auseinandersetzen.
Beim Informellen Expressionsimus malt Künstler das, was in ihm emotional
vorgeht.Diese Art von Kunst ist während derNachkriegszeit, in den 50er und 60er
Jahren, entstanden. Die Zentren der damaligen Kunst waren, wie schon seit längerem, die europischen Städte, wie Paris oder London, aber nach dem zweiten
Weltkrieg eben auch jüngere Städte, wie beispielsweise New York.
Der Künstler Jackson Pollock war einer der größten
Vertreter des Abstrakten Expressionismus, er verwendete unter anderem
die Technik des „Action Painting“. Diese Technik ist durch die Dynamik und
Bewegung beim Malen gekennzeichnet, auch der Zufall, wie die Farbe nach dem auf
die Leinwand „schleudern“ herunterfließt, spielt eine große Rolle. Beim
amerikanischen Expressionismus wird meist eine große Leinwand verwendet, wie
auch bei bei dem sogenannten „Dripping“, eine weitere Technik des
Expressionismus. Jackson Pollock lässt die Farbe auf die Leinwand tropfen, indem
er mit Farbe über das Bild läuft und somit eine Aufzeichnung seiner Bewegungen
erhält.
Beim Prinzip des „All-over“, eine weitere Technik die im
Zusammenhang mit Jackson Pollock steht, wird die Leinwand komplett mit
Farbe bedeckt, auch über den Rand, da keinerlei Rücksicht auf das Format
genommen wird.
„I want to express my feelings, rather than illustrate them“
(Jackson Pollock)
Die Farbe, Intensität, etc. hängen dabei ganz und gar nur
von der Befindlichkeit des Künstlers ab.
Neben Jackson Pollock gab es auch einige andere
einflussreiche Künstler, die sich mit dem Expressionismus auseinandergesetzt
haben. Einer von ihnen war Lucio Fontana. In seinem Werk „Concetto Spaziale“
ritze er mit einer Rasierklinge die Leinwand und schaffte somit damit eine echte Dreidimensionalität.
Niki de St. Phalle z.B. schoss auf farbgefüllte Luftballons,
dieses Kunstrichtung nannte sich „Nouveau Réalisme“.
Künstlerin Regine von Chossy
malte mit Kreide Aufzeichnungen ihrer Bewegungen mit Kreide mit beiden Händen
von oben nach unten, je nach dem, wie sie sich bewegt hat und schuf damit ihr
Werk „Energetische Zeichnungen“
Plakative Kunst
„Mut zur
Wut“, der Name eines in 2011 entstandenen Plakatwettbewerbs, der sich
hauptsächlich an Grafiker richtet. Die 30 besten Plakate, die das Ziel eines kritischen,
sozialen, politischen und/oder persönlichen Inhaltes transportieren, werden in
einigen Großstädten an den Straßen ausgehängt, sodass die Botschaft des
jeweiligen Plakats jede Menge Leute erreicht. Außerdem ist es ein Ziel der
Plakatkunst den Betrachter zum Nachdenken anzuregen und so Emotionen wach zu
rufen.
„Bleistift“, Felix Pfäffli (2012)
Ein Beispiel
für ein Plakat dieses Wettbewerbs ist das Werk von Felix Pfäffli.
Es ist ein schwarzer Bleistift in der Mitte des Bildes zu sehen, der
eine Diagonale durch das Bild bildet und näher zum Betrachter hinrückt. Das
Plakat selbst ist hochkant ausgerichtet, der Schriftzug jedoch waagerecht,
sodass man seinen Kopf drehen muss, um diesen lesen zu können. Diese Art der
Typografie versucht den Menschen ein bisschen herauszufordern. Das
Auffälligste des Plakats ist jedoch die Farbe des Hintergrunds. Er ist in Rot
gewählt, was eine Anspielung auf den Namen des Wettbewerbs sein könnte, da man
mit der Farbe Rot in gewisser Weise auch Wut verbindet, außerdem ist es eine
Signalfarbe, die die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Der Bleistift jedoch schabt
eine kleine diagonale Linie der roten Fläche ab und bringt das Weiße darunter
zum Vorschein. Der Grafiker hat vermutlich den Bleistift gewählt, da dieser ein
typisches Kunstwerkzeug ist. Dieser macht es dem Betrachter möglich ein wenig
tiefer „reinzuschauen“ indem er die Fläche freischabt. Zusätzlich bringt es
Bewegung in das Bild und die Diagonalen machen es dynamischer. Licht und
Schatten schaffen hier die nötige Plastizität und Tiefe. Das Plakat, vor allem
der Bleistift, wirkt greifbar durch die plastische Darstellung. Die rote Fläche
hat nicht nur die Aufgabe Aufmerksamkeit zu erregen, sie dient auch als Boden
des Bildes und stellt die Räumlichkeit her. Andererseits gibt es keinerlei Farbperspektive, die rote Fläche ist überall gleich intensiv, was der räumlichen Wirkung wiederum entgegensteht. Der rote Hintergrund kippt, je nachdem welchen Bereich des Plakates man betrachtet, zwischen räumlicher und flächiger Wirkung hin und her.
Das Ziel des Plakats ist es in
gewisser Weise, mit der Warnhmung als Reiz zu spielen.
https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/originals/84/8d/37/848d375d728a496f23b82359944898fa.jpg
„Who´s afraid of red, yellow and
blue“ Barnett Newman (1966)
Aufgrund der
Wirkung der Signalfarbe Rot, möchte ich auf die monochrome Malerei von Newman
zusprechen kommen, die sich mit dem Thema der psycho-physischen Farbwirkung
beschäftigt. Das Bild hat eine monumentales Format und füllt die Wand eines Raumes
normaler Größe komplett aus. Man kann es sich sehr leicht vorstellen, da das
Kunstwerk hauptsächlich eine große rote Fläche ist. Am linken Rand des Bildes
ist jedoch eine kleine Fläche des Bildes in Blau gemalt, am rechten Rand eine
minimale Fläche in Gelb. Diese Bild fiel dem Kunstvandalismus zum
Opfer, es wurde mit einer Schere/ einem Messer zerschnitten. Das ist
eventuell zurückzuführen auf die Farbe Rot, die, wie vorher schon angesprochen, Wut
auslöst, da man Rot als sehr aggressive Farbe wahrnimmt und rote Flächen auch zur Reizung des vegetativen Nervensystems und zur Ausschüttung von Adrenalin führen.
https://www.kunsthalkade.nl/de/ausstellungen/die-farben-des-style/slideshow/barnett_newman_2018who2019s-afraid-of-red-yellow-and-blue-iii_1967.jpg/@@images/image/large
Ein weiteres
Gemälde, das dem von Newman relativ nahe kommt ist „No title“ von Ad Reinhart, welches den Unterschied hat, dass es
komplett in Schwarz gestaltet ist. Schwarz ist eher eine Frabe, die Trauer
hervorruft. Außerdem unterscheidet man zwischen emotionalen Farben (eigenes
Empfinden ausdrücken) und symbolische Farben (z.B durch den kirchlichen Ritus definiert).
Das nächste Beispiel des Plakat Wettbewerbs besteht
hauptsächlich aus einer großen blauen Fläche, in deren Mitte der Facebook
Schriftzug etwas gestaucht zu sehen ist. Vor diesem Schriftzug sieht man die
bekannte Facebook- Hand, die zu einer Faust geballt ist. Es wird der Eindruck
erzeugt, dass die Faust versucht den Facebook Schriftzug aus dem Bild
„rauszuhauen“, da die Buchstaben schon sehr eng beieinander hängen. Die Speedlines
unterstützen die Faust und somit auch die dynamische und gewaltsame Wirkung. Man bekommt den Eindruck, dass die
Faust eine besonders hohe Geschwindigkeit hat und es wird noch einmal deutlich,
dass die Faust in Bewegung ist. Der typische Schriftfont macht es möglich, dass man
erkennt, dass es sich um Facebook handelt, ebenso ist die Hintergrundfarbe blau
auch die typische Facebook Hintergrundfarbe. Das ganze Plakat ist ein Spiel mit
dem Raum, vor allem da man das Gefühl bekommt der Schriftzug soll aus dem Bild
verschwinden, das macht den Raum in gewisser das Plakat zu einem begrenzten Raum.
Plakat
Nummer 3, ist dem vorherigen etwas ähnlich. Wie vorher ist die
Hintergrundfarbe blau, diesmal aber ein etwas helleres blau. Man sieht ein
Kind, dass auf einer von drei Tasten einer Tastatur sitzet, die aber die
Wirkung einer Eisscholle im weiten Meer haben und sehr plastisch dargestellt
sind. Das Kind wirkt sehr einsam und verloren. Die blaue Fläche des
Hintergrunds wirkt hierbei endlos und wird zum Raum des Bildes. Im unteren Teil
des Plakats steht geschrieben „Don´t leave your kid in the virtual world“.
Dadurch wird das Ziel dieses Plakats da, denn es spielt auf die Gefahren im
Internet an und auch, dass man doch relativ einsam dort sein kann.
Figur- Grund- Beziehung und Figur-
Grund- Wahrnehmungen
Diese beiden
Begriffe beschäftigen sich mit optischen Täuschungen. Beispiel hierfür ist
wieder ein Plakat, das sich mit den Gefahren beschäftigt, die im Internet
lauern. Es ist ein Mädchen zu sehen, dessen Pferdeschwanz den Schnauzer eines
Mannes bildet, der direkt hinter ihr steht. Das Mädchen sitzt vor ihrem Laptop
und surft im Internet. Das Bild spielt womöglich auf die unzähligen Fake
Profile an, die im Internet existieren. Folglich hat das Bild eher einen
sexuellen Hintergrund. Das Bild „deckt“ indirekt auf, wer hinter der Person
steckt, mit der das Mädchen chattet. Es ist jedoch schwer das Mädchen zu
erkennen, da sie dieselbe Farbe hat, wie der blaue Hintergrund. Ein weiteres
Detail ist auch noch der weiße Schriftzug „alone?“ im unteren Teil des Bilds.
Dieser unterstützt die Interpretation, dass das Mädchen nicht wirklich weiß,
was sie gerade tut.
Sonntag, 3. Juni 2018
Abramovic - Ulay II
Das
ehemalige Künstlerpaar Marina Abramovic und Ulay hat von 1976 bis 1988 viele Performances
zusammen erarbeitet und durchgeführt, in denen sie immer "Bilder" für den momentanen Zustand ihrer Beziehung gefunden haben.
Eine bedeutende Performance, vor allem auch wenn
man ihre Liebesgeschichte betrachtet, ist „Night Sea Crossing“. Dabei
sitzen sich die beiden in einem Museumssaal an einem Tisch gegenüber. Wochenlang, täglich, von Beginn bis Ende der Öffnungszeiten, sitzen sie in den berühmtesten Museeen der Welt. Allerdings verhalten sie
sich extrem passiv, d.h. sie bewegen sich nicht und reden auch nicht, sondern starren sich nur
an. Die Besucher des Museums sehen die beiden und erwarten viellicht etwas, doch
nichts passiert, sie sind wie zwei leblose Ausstellungsstücke. Die Performance geht sogar danach weiter, sie achten darauf dass sie außerhalb des Museums keiner sieht, sie reden nicht miteinander und fasten.
Man kann vermuten, dass die Kunstwelt genauso hohe
Erwartungen wie die zwei Liebenden an ihre Beziehung hatte
– beide wurden enttäuscht. Dadurch, dass Marina und Ulay ihre Liebe zum Thema ihrer Kunst machten und dadurch öffentlich auslebten, standen sie unter ständiger Beobachtung, sie galten sogar als das "Vorzeigepaar" schlechtin. Dem Druck der Erwartungen konnten sie auf Dauer jedoch nicht standhalten, und sehr wahrscheinlich haben sie vergessen an ihrer Beziehung zu arbeiten
und somit hat auch die Verliebtheit und die Liebe nachgelassen. Dies spiegelt sich
auch in ihren Performances wider, denn diese enthielten mit der Zeit immer
weniger Körperkontakt.
Im Rückblick kann man Night Sea Crossing als
Vorboten für das Ende der Beziehung bezeichnen, denn Ulay hat den
körperlichen Druck des Dasitzens nicht mehr ausgehalten und ist
aufgestanden und gegangen.
Ihre
letzte gemeinsame Performance, die sie 1988 gemacht haben, heißt „The
Lovers“. Beide hatten sich von einem Ende der Chinesischen Mauer aufgemacht und
liefen sich entgegen, um sich in der Mitte, die nicht genau
definiert war, treffen zu können, dort eine chinesische Hochzeit zu
feiern und somit ihre Liebe zu erneuern und die Beziehung zu retten.
Allerdings, als die beiden sich nach Wochen tatsächlich getroffen haben, beschlossen sie, sich zu
trennen, denn ihnen ist in der „Einsamkeit“ ihrer Wege klar geworden,
dass es ihnen damit besser geht. Somit könnte man diese Performance auch als den Weg zur Trennung betrachten.
2012
hat Marina Abramovic mit „The Artist Is Present“ eine Solo-Performance
gestartet. Dabei wollte sie wahrscheinlich auf „Night Sea Crossing“
anspielen, denn sie saß an einem Tisch, einem leeren Stuhl gegenüber.
Auf diesen leeren Stuhl durften sich die Museumsbesucher setzen. Dies
wollten auch viele tun, denn es sammelte sich eine riesige Menschenmenge an
die geduldig darauf wartete, auf diesem Stuhl, Marina Abramovic gegenüber, Platz nehmen zu können. Während die Menschen auf dem
Stuhl sitzen und Marina in die Augen schauen, gehen ihnen tausende
Gedanken durch den Kopf. Man sieht ihnen oft den Schmerz
und die Einsamkeit, die sie in diesem Moment fühlen, in Form von Tränen an. Die Menschen
haben keinen anderen Rückzugsort als sich selbst und müssen mit ihren
eigenen Gefühlen klar kommen.
Irgendwann kommt Ulay und setzt sich auf
den Stuhl. Dies ist das erste Mal nach ihrer Trennung, dass sie sich
wiedersehen. In diesem Moment ist auch Marina zu Tränen gerührt und sie
fängt an zu weinen. Nach einiger Zeit geben sie sich die Hände und
plötzlich fangen alle Menschen, die im Museumsraum sind und vorher noch
still waren, an zu klatschen.
Allerdings
ist Marina Abramovic nicht nur Performance-Künstlerin, sondern sie
macht auch Objektkunst.
Eines ihrer Kunstwerke heißt „Shoes for
Departure“, was auf Deutsch übersetzt „Schuhe für die Abreise“ heißt.
Schaut man sich das Kunstwerk allerdings etwas genauer an, stellt man
fest, dass es unmöglich ist mit diesen Schuhen zu gehen. Sie sind
übergroß und aus dem schweren Halbedelstein Amethyst gefertigt. Da
es Marina wichtig ist, immer ein Teil ihrer Kunstwerke zu sein, hat sie
den Rohstoff mit ihren eigenen Händen aus einem Bergwerk in Brasilien
geschlagen.
Mit ihrem Kunstwerk wollte sie den Betrachter zum Teil der Kunst machen, indem er in die kühlen und glatten Schuhe
hineinschlüpfen kann. Allerdings kann man sich nicht bewegen und ist somit
gefangen.
Die Beine in Schrittstellung fixiert, den Blick auf die leere Wand gerichtet, kann die Reise eigentlich nur noch ins eigene Innere gehen.
Night Sea Crossing
The Lovers
The Artist Is Present
Shoes for Departure
Mittwoch, 30. Mai 2018
Installation
Wenn man über Kunstwerke redet, denkt man meist nur an
etwas, dass man nur anschauen kann. Jedoch gibt es einige Künstler, die durch
eine Installation, den Betrachter teil des Kunstwerkes werden lassen.
144 Steel Plates - Carl André (Minimalismus)
Bei den Kunstwerken von Carl André wird der Betrachter
aufgefordert, über seine Kunstwerke zu laufen. Das Kunstwerk besteht meist nur
aus in bestimmter Weise angeordneten Platten. Dabei muss der Betrachter womöglich seine Hemmungen überwinden, weil man ja eigentlich keine Kunstwerke anfassen, oder gar
darüber laufen darf. Der Betrachter muss aber allerdings über das Kunstwerk
laufen, da dies meist fast den ganzen Raum bedeckt.
Was will er damit erreichen?
Der Betrachter soll zum Einen eine aktive Rolle spielen. Er
erlebt etwas und muss Entscheidungen treffen. Außerdem ist der Betrachter Teil
des Kunstwerkes, und fühlt sich vielleicht sogar geehrt, da er wie über einen
„roten Teppich“ geht. Der Betrachter fühlt sich beim darüber laufen vielleicht
sogar Teil einer besonderen Kultur.
Floor – Do Ho Suh
Das Ziel des koreanischen Künstlers ist des den Mensch/
Betrachter zum Nachdenken oder mitmachen zu bewegen. Das gelingt ihm durch eine
besondere Installation, bei der sehr viele kleine Plastik Figuren eine
Glasplatte halten. Zumindest sieht es so aus, als ob alle Figuren zusammen die
Platte halten. Als Betrachter erkennt man nur bei genauem hinsehen die
Menschen, und dass sie die Platte mit ihren Händen halten.
Do Ho Suh will damit den Menschen zum Nachdenken bringen.
Diese Installation könnte eine Metapher für unsere Gesellschaft sein, bei der
wir sehr viel auf Kosten anderer Leben. Viele arme Menschen müssen täglich
für uns arbeiten, und wir haben oft nicht einmal ein schlechtes Gewissen dabei.
Durch das Laufen über die Platte soll also der Betrachter animiert werden
nicht immer weg zu schauen, sondern auch mal zu handeln.
Body Check – Wolfgang Flatz
Der österreichische Künstler Flatz verhängte bei seiner Installation den Durchgang einer Galerie mit einigen Reihen
von Boxsäcken, und zwar so eng, dass die Besucher die Säcke zur Seite schieben mussten, um
in den nächsten Raum zu kommen. Durch den Druck, den andere
Menschen, die auch durch den Eingang wollen, werden die Sandsäcke wie in einer Kettenreaktion verschoben, so dass jemand, der sich in der Installation befindet, ohne Vorwarnung zur Seite geschubst werden kann.
Viele Menschen empfinden das als eine Gewalt, die ihnen grundlos und von anonymer Seite aus widerfährt. Dadurch entsteht schnell Aggression. Die Menschen werden verunsichert und
reagieren auch unterschiedlich auf diese Gewalt. Junge Menschen könnten das
eher als Spaß sehen, wohingegen Ältere sich sehr bedroht fühlen können. Es entstehen die Fragen „Wie
reagiere ich auf Gewalt? Wer steckt dahinter? Widerfährt sie mir
absichtlich oder ist sie Zufall? Löst meine Bewegung ebenfalls Gewalt aus? Bin
ich Opfer oder Täter?“
Flatz hat jedoch nicht nur
Rauminstallationen gemacht, sondern auch einige Kunst Performances. Bei einer von diesen geht er komplett nackt und gefesselt
durch einen Raum und schlägt an jeder Ecke seinen Kopf gegen eine Metallplatte. Dabei ruft er jedes Mal „schuldig“ und „nicht schuldig“ im Wechsel. Das Ziel dabei
ist, den Betrachter in eine unangenehme Rolle zu versetzen und zu sehen, wie es reagiert. Einige versuchen
vergeblich ihn davon abzuhalten. Beim Publikum kommen Fragen auf, wie „Es handelt sich hier doch um Kunst, ist es in Ordnung, dass ich zuschaue wie er
sich verletzt?“, „Ist er nicht selber verantwortlich für das, was passiert?“ oder „Worauf spielt "Schuldig - Nicht Schuldig an?“. Mit all diesen Fragen wird man auf der Performance
unfreiwillig konfrontiert.
Bei einer anderen Performance von
Flatz stürzt er sich eine Treppe hinunter, um wieder zu sehen, wie das Publikum
reagiert. Als er am Boden lag, sah man die Hilflosigkeit der Menschen, die auch
bei Unfällen ähnlich ist. Viele Menschen stehen nur herum, und helfen ihm
nicht. Dabei fühlen sie sich schlecht, was das Ziel der Performance ist.
Zusammenfassend kann man also sagen,
dass Flatz mit seinen Performances und Installationen immer Gewalt
thematisiert. Menschen werden in eine unangenehme Rolle versetzt und werden
dabei oft verunsichert. Außerdem ist das Ziel von Flatz Menschen dazu zu
animieren zu handeln und nicht nur zuzuschauen.
"Taumelnder Mann" (1950) von Alberto Giacometti
Beim Verhältnis der Figur zum Raum, welcher durch die Plinthe definiert wird, fällt auf, dass der Raum überwiegt.
Die Plastik sieht regelrecht wie vom Raum zerfressen aus. Es wirkt so,
als ob die Form egal wäre, aufgrund des undefinierten Körperbaus.
Die Figur hat, typisch für Giacometti, lediglich Masse, aber kein Volumen.
Aber warum macht man so eine Figur?
Sie wirkt, mit ihrer taumelnden Haltung, dem außerhalb der Plinthe
liegenden Schwerpunkt und ihren überlangen Gliedmaßen, kunstlos, oder
anders gesagt, nicht schön.
Mit dieser Art von Figur setzt Giacometti eine Philosophie um, von der
er überzeugt ist. Den sogenannten "Existenzialismus" von Jean-Paul Sartre. Dieser besagt,
dass der Mensch völlig frei ist und das Leben keinen vorgegebenen Sinn hat. Jeder muss sein
eigenes Ziel im Leben definieren, um seinem Leben Sinn zu geben. Die Hilflosigkeit wird durch das Taumeln, dem aus dem Raum
herausfallen der Plastik, dargestellt.
Die wichtigsten Körperteile werden dadurch betont, dass sie ein größeres Volumen haben:
- Die Brust steht für das Herz.
- Das Becken steht für die Sexualität.
- Die Füße verbinden den Menschen mit der Materie.
- Die massive Plinthe stellt die Materie dar, die Bedingung für die Existenz.
Sitzender Jüngling (1916/17)
Beim "Sitzende[n] Jüngling" von Wilhelm Lehmbruck umschließt der
Körper den Raum. Das Zentrum der Plastik besteht aus Leere. Der Raum drückt auf den gebeugten Rücken der Figur, die sich
wiederum nach außen gegen den Raum abschottet.
Die Figur symbolisiert die tiefe Trauer über den
Krieg, vor allem durch die nach unten, in den leeren Raum gerichtete Blickachse
dargestellt wird.
Bei Henri Laurens Plastik "Der Abschied" (1949/41) überwiegt das Volumen, sie wirkt wie aufgeblasen. Die menschliche Figur ist schwer erkennbar.
Das Volumen sinkt und der Kopf is nach unten gerichtet. Die Figur
empfindet Trauer, kapselt sich ab und versteckt sich in sich selbst.
Taumelnder Mann:
Sitzender Jüngling:
Der Abschied:
https://www.bildindex.de/document/obj05020430/mi01569a05/?part=0Freitag, 25. Mai 2018
Der Betrachter als Teil des Kunstwerkes
Die Figurengruppe „Die Bürger von Calais“ ist ein Werk von Auguste
Rodin, einem berühmten französischen Bildhauer des späten 19. Jahrhunderts, und stellt eine historische Begebenheit
aus dem Mittelalter dar.
Geschichte:
- Calais
ist eine französische Hafenstadt, in der das Denkmal errichtet wurde
- Die
Stadt wurde während des Hundertjährigen Kriegs von England belagert
- Das Volk
war ausgehungert und von der Außenwelt völlig abgeschnitten
- Der englische König stellt eine Bedingung an das Volk: es sollen 6 reiche
Bürger aus der Oberschicht gefunden werden, die in Lumpen gekleidet
sind, einen Strick um den Hals tragen und ihm Schlüssel der Stadt
übergeben dafür sollte die Belagerung aufgehoben weren
- Es
ergeben sich 6 Bürger, die ihre Stadt retten wollen
- Sie
zahlen einen hohen Preis für die Rettung ihrer Stadt: sie sollen erhängt werden (symbolisch
dazu der Strick)
- Zur
gleichen Zeit war die englische Königin schwanger und bat ihren Mann
Gnade vor Recht zu ziehen, also die Männer nicht zu töten
- Mut
und Entschlossenheit, sich für andere zu Opfern, rettete den Männern
das Leben, das Schicksal hat sie belohnt
Darstellung
des Denkmals:
- Die Stadträte von Calais gaben den Auftrag für ein Heldendenkmal an Auguste Rodin
- Die sechs Bürger sollten stolz und heroisch dargestellt werden, und vor allem durch einen hohen Sockel hervorgehoben werden
-Für Rodin dagegen war das eine tolle Gelegenheit zu zeigen, was ihm wichtig war: Was passiert mit Menschen, die den Tod vor sich haben? Wie reagieren sie? Was geht in ihnen vor?
- Die Personen
sind etwas größer dargestellt (Überlebensgroß)
- Statt eines hohen Sockels gibt es nur eine flache Plinthe ->Figuren stehen auf dem Boden
- Statt eines hohen Sockels gibt es nur eine flache Plinthe ->Figuren stehen auf dem Boden
- Die heroische
Darstellung fehlt, die Gesichter
der Männer zeigen Angst, Verzweiflung, Panik, aber auch stoische Ruhe und Schicksalsergebenheit,
da sie in dem Moment dem sicheren Tod entgegen gehen
- Er
stellt 6 verschiedene Charakterstudien, Altersstufen und Arten mit
dem Tod umzugehen dar
-Trennung
von Jung und Alt: die Jungen sind verzweifelt, da ihnen das Leben
gestohlen wird, wohingegen die älteren weitaus mehr erlebt haben
Beziehung
zum Betrachter:
- Die Figuren sind in einer Art Spirale angeordnet, so dass der Betrachter um die Statue herumlaufen muss, wenn er alles sehen möchte -> Mobilisierung (All-ansichtige Figur, es gibt keine "Schauseite")
- Es
entsteht die Möglichkeit sich mit den Personen zu identifizieren->
Wie würde ich selbst reagieren?
- Man kann
sich sowohl körperlich als auch geistig hineinversetzen, da die Figuren auf der gleichen Ebene stehen wie der Betrachter
- Modellierung:
keine glatte Oberfläche, Tonbrocken, Fingerabdrücke bleiben auch nach dem Bronzeguss sichtbar
- viele konkave Formen, tiefe Faltenwürfe
- Durch
die grobe Oberflächenbeschaffenheit spiegelt sich das (Sonnen)Licht unterschiedlich, ein lebendiges Schattenspiel entsteht, was zu einer Illusion von Bewegung führen kann
Minimalismus
Der
Künstler Carl André versucht in seinem Werk mit dem minimalsten Eingriff den Raum zu verändern
- Er platziert
in den Gang eines Museums quadratische Stahlplatten auf den
Marmorboden
- Die Stahlplatten
hat er von einem Walzwerk herstellen lassen
- Man
frag sich nun: Was war der Künstlerische Akt? Ist das überhaupt ein
Kunstwerk?
- Die künstlerische Leistung besteht darin, die Platten nach seinen Vorgaben herstellen zu lassen und in einer bestimmten Anordnung und an einer bestimmten Stelle in den Raum
legen zu lassen (Konzept)
- Idee
und Umsetzung -> Kunst
- Normalerweise
ist es streng verboten, Kunstwerke im Museum anzufassen oder gar darauf herumzulaufen
-Da
dieses Werk aber so positioniert ist, dass man kaum daran vorbeikommt, ist die Intention des Künstlers klar ->
die Menschen sollen und müssen darüber laufen
- Der Museumsbesucher ist nicht mehr nur Betrachter, sondern wird in die Installation mit einbezogen -> er wird Teil des Kunstwerkes
- Sorgt
für ein ungutes Gefühl, weil man glaubt, etwas Verbotenes zu tun (Tabubruch)
- Kann aber auch zu einem Gefühl der Erhabenheit werden, da man Teil von etwas Besonderem geworden ist -> dieses Konzept wird außerhalb der Kunst oft verwendet um Personen besonders hervorzuheben oder vom Alltag abzugrenzen -> Roter Teppich, Catwalk, Prozessionsteppiche
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