Posts mit dem Label Halbjahr 11/2 2013 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Halbjahr 11/2 2013 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 8. Oktober 2013

Abramovic/Ulay Teil II



The Great Wall of China: Lovers at the Brink (1990)

Dieser Film ist eine Dokumentation einer Performance von Marina Abramovic und Ulay.
In der Performance geht es darum, dass die Künstler  von beiden Enden der Chinesischen Mauer, die 4000km lang ist, aufeinander zulaufen und sie sich in der Mitte treffen, wo -  so der ursprüngliche Plan – ihre Hochzeit stattfinden sollte.

Das Aufeinander zulaufen war für die beiden kein Wettkampf. Zunächst gab es ein Konzept, wo sie sich treffen wollten, jedoch liefen sie dann einfach ohne zu warten solange, bis sie sich trafen. Meist waren Marina und Ulay zehn bis elf Stunden täglich unterwegs, was zwar anstrengend, aber auch schön war, da sie stets ihr Ziel vor Augen hatten:  jeweils 2000km zu schaffen.
Beide folgten der Mauer, wobei Ulay neben ihr, Marina auf der Mauer lief. Sie brauchte die Kommunikation mit anderen Wanderern, er dagegen sah sich  bald als selbstbestimmter Sozialist. Marina bemerkte, dass sie sehr gut alleine sein konnte, so besser allein denken und sich ein eigenes Konzept und Leben vorstellen konnte. Dies gab ihr dann auch den Impuls,  sich am Ende von Ulay zu trennen.
 Mit diesem Projekt beendeten Marina Abramovic und Ulay ihre langjährige Beziehung.
Das Nachdenken war Marina sehr wichtig und sie fragte sich, was sie wohl ohne Ulay tun würde. Sie kam zu dem Schluss, dass einfach Andere seine Rolle übernehmen konnten. Für Ulay machte die Trennung ihn wieder zu einem Individuum, da ihm auch der Einfluss der Zusammenarbeit zu groß war.
Ulay war und ist kein Maler. Sein einziges Bild ist „Nature of Mind“. Es zeigt, wie er sich von einer Höhe aus, an Marina vorbei, in ein Wasserbecken fallen lässt. Es ist kein klassisches Stillleben, vielmehr enthält es politische Motive.
Nach der Trennung war Marinas erstes eigenständiges Projekt das „Brasilianisches Projekt“. Dort suchte sie nach Mineralien, und vor allem von Amethysten war sie sehr begeistert, da diese energieaufladend wirken.
Marina lebt allein und hat Liebhaber, wohingegen Ulay bald nach der Trennung eine Chinesin aus Peking heiratete, mit der er dann auch Kinder bekam.
Marina meint, dass sie mit niemandem mehr gemeinsam eine Performance machen wird, Ulay hingegen kann sich gemeinschaftliche Projekte sehr gut vorstellen, da er schon immer mit anderen zusammen gearbeitet hat.
Die gemeinsame Arbeit der beiden war stets sehr intensiv und laut Marina war kein Auflehnen Ulays möglich. Deswegen war ihrer Meinung nach die Trennung die einzige Möglichkeit für die beiden Künstler, da sie zu viel von ihm verlangt hatte, so Ulay.
Durch die eigene Arbeit dann bekam Marina die Energie sich ganz von ihm zu befreien.
Marina war und ist ein „lebendes Kunstwerk“, denn sie stellte schon immer ihr Leben unter die Regeln der Performance. Sie steckte ihre ganze Energie in die Kunst. Ulay war ihrer Meinung nach deshalb „untreu“, weil er stets eine Familie wollte, und dies für sie nicht in ihr Bild passte. Sie wollte  durch ihre Performances ein Statement abgeben und sich nur auf die Arbeit beschränken.




Protokoll: H.S.

Donnerstag, 20. Juni 2013

Performance



Antike:
  • traditionelle Bildhauerei → Körper = Zentrum
  • nichts ist interessanter als der Mitmensch mit seinen gemischten Gefühlen und Problemen
  • Schönheit und Gefühle bei der Bildhauerei vom großen Interesse

Beginn des 20. Jh.:
  • Bereits erschöpfender Überblick in der Kunstgeschichte
  • Daraus entwickelt sich ein starker Wandel der Kunst → Der Betrachter will miteinbezogen werden und nicht nur der Beobachter sein.
Der Betrachter wird Teil des Kunstwerks, welches ein unmittelbares Erlebnis ist. Somit entsteht eine komplett neue Kunstrichtung: Die Performance.
Das Wort „Performance“ selbst kommt aus dem Englischen „to perform“ und bedeutet „etw. aufführen“ und ist normalerweise im Bereich des Theaters anzusiedeln.
Die Performance wird also aufgeführt und meistens bleibt dann bloß ein Rest, wie zum Beispiel ein Gegenstand.

Ein Beispiel für einen Künstler wäre Timm Ulrichs.
Für eine seiner Performances verwendete er einen großen Findling, welcher in der Mitte durchgeschnitten war. In den Innenseiten ist eine Vertiefung zu erkennen, mit den Formen eines liegenden Menschen, sogar einer leichten Embryonalstellung. Darin konnte sich Ulrichs hineinlegen.
Es war eine eigene Performance, sprich: Ulrichs legte sich selbst nackt und stundenlang in den Stein hinein, wobei dieser wieder verschlossen wurde. Er ist vollkommen eingeengt, kann sich nicht bewegen und hat bloß eine kleine Spalte für die Luft, die er atmet. Ulrichs zeugt von einer unglaublichen Körperbeherrschung, sowohl physisch, als auch psychisch.

Was könnten Gründe für so etwas sein?
Was man auf jeden Fall erkennen kann, sind verschiedene Ansichten und Wirkungen auf den Betrachter.

Negativ: Bewegungslosigkeit; Gefängnis; eingeengt; Angst; Panik; Stein ist hart und kalt; Hilflosigkeit
Nacktheit: dem Stein ausgeliefert; „nur“ ein Mensch; Verletzlichkeit & Hilflosigkeit des Menschen; Sarg

Positiv: Embryonalstellung → Mutterleib; Geborgenheit; Schutz; von der Außenwelt abgeriegelt; Panzer
Herauskommen als veränderter Mensch --> Wiedergeburt;

Ulrichs lädtt auch dazu ein, sich selbst darin hinein zu versetzen und sich in den Stein zu legen.
Wie man bei Ulrichs Werk sehen kann, spielen Leben und Tod in Performances eine große Rolle.

Ein ähnlicher Künstler hierfür wäre Wolfgang Flatz, der sich die Gewalt zu einem besonderen Thema gemacht hat.
Für eine seiner Performances lief er nackt in einer Galerie so lange mit dem Kopf gegen die Wand, bis er eine blutende Platzwunde auf der Stirn hatte. Es dauerte eine Weile, bis ein älterer Mann sich endlich dazu entschloss, ihn aufzuhalten.
Tatsächlich waren seine Verletzungen wirklich und es war nicht gespielt.
In einer anderen Performance ließ er sich die Treppen herunterfallen, während seine Arme und Beine gefesselt waren. Auch hier erlitt Flatz sehr viele Verletzungen.

Eine weitere Künstlerin, Marina Abramowitsch, hat sich in einer Galerie neben einen Tisch mit mehreren Gegenständen (z.B. Nadeln, geladene Pistole) gesetzt und meinte, dass man mit ihr machen könnte, was man möchte und allein sie die Verantwortung dafür tragen würde. Tatsächlich verletzten einige der Besucher die Frau und erst, als jemand die Pistole gegen sie richtete, ist jemand eingeschritten, womit die Performance auch beendet wurde.

Sowohl Flatz, als auch Abramowitsch erreichten mit ihren Performances ihre Absichten: Die Leute zu schockieren und in ihnen Schuldgefühle zu wecken. Eine Provokation, wie sie oft auf verschiedenste Art und Weise in der Kunst zu finden ist, da – besonders Flatz in diesem Falle – verzweifelt war, was aus der Kunst geworden ist: Eine gleichgültige Sache für den größten Teil der Betrachter.

Protokoll: M.M.