Donnerstag, 10. November 2016

Architektur des Ostanbaus des Schulhauses von außen




Wie sind die Richtungen angelegt?

Beim genaueren Betrachten des Schulhauses kann man erkennen, dass die Linien überwiegend horizontal angelegt sind. Die Außenfassade weist weder Rundungen noch schräge Linien auf. Die Grundform der Fassade ist ein liegendes Rechteck, ein Querformat, d.h. das Gebäude ist breiter als hoch gebaut. Die Betonung der Horizontalen wird ebenfalls durch Elemente an der ganzen Fassade deutlich, die horizontal ausgerichtet sind. Alle Fenster und Mauerstreifen ziehen sich teilweise über die ganze Länge des Gebäudes, wobei alle Teile einzeln betrachtet auch Rechtecke sind. ( Goldener Schnitt ) Nur vereinzelt sind Quadrate vorhanden oder auch Flächen im Hochformat, bzw. senkrecht ausgerichtete Elemente, wie z.B. Türen, einzelne Fenster oder die Zwischenräume zwischen den Fenstern. 
 
Auch die zwischen den Fenstern erkennbaren Betonpfeiler sind senkrecht ausgerichtet. Sie spielen eine wichtige Rolle beim Bau des Schulhauses. Sie liegen alle direkt übereinander und verlaufen durchgehend von ganz unten bis oben. Sie bilden einen langen von waagrechten Teilen unterbrochene Senkrechte. Trotzdem ist die Horizontale das dominierende Element
An den Pfeilern, die ein durchlaufendes Element darstellen, kann man erkennen, dass es sich bei dem Gebäude um einen Skelettbau handelt. Die senkrechten Pfeiler spielen eine entscheidende Rolle, da sie das gesamte Gewicht der Zwischenböden und des Daches tragen. Sie reichen vom Keller bis zum Dach, bestehen aus Stahlbeton und bilden das sogenannte Traggerüst. Da die Pfeiler das ganze Gewicht tragen, könnte man praktisch jede beliebige Wand einfach entfernen, ohne dass das Gebäude einzustürzen droht. 
 
Aufteilung der Fassade:
Die Fassade besteht aus verschiedenen Modulen, die sich um das Schulhaus herum immer wieder zwischen den Säulen senkrecht wiederholen. Es gibt z.B. fensterlose Bereiche, Bereiche mit Fenstern und kleine Fensterreihen (Oberlichter). Die Rechtecke der Fenster geben außerdem die Größe der Klassenzimmer vor. 
 
Farbe:
Die ursprüngliche „Farbe“ des Schulhauses war einfach das Grau des Betons. Mittlerweile wurde die Fassade aber verputzt, da sie anfing Rostflecken zu bekommen und Anzeichen der Witterung zeigte. Der Putz dient also dem Schutz der Stahlarmierung vor Rost und es ist nun wieder ordentlicher als zuvor, da alles in einem hellen Grau überstrichen wurde. Das Schulhaus hat eher unbunte, weniger prismatische Farben. Schwarz und Blau sind weitere Farben, wobei Blau die einzige Grundfarbe ist. Das Schwarz findet man im Glas der Fenster vor, wenn die Sonne eben so reflektiert wird, dass man nur den Schatten im Fenster sieht. Andernfalls sieht man im Fensterglas die Reflexionen der Umgebung. Bei hoher Sonneneinstrahlung ergibt sich ein schöner Farbkontrast zwischen dem Grau und dem Blau bzw. dem Blau des Himmels. Durch die Beleuchtung entsteht auch eine interessante Licht- und Schattenwirkung. 
 
Wirkung der Architektur:
Das liegende Rechteck wirkt wie ein sicheres Fundament, was wichtig für eine Schule ist, denn diese soll eine solide Bildung vermitteln und ein Wissensfundament für später sein. Die Wiederholung der Elemente wirkt ordentlich, ruhig, überschaubar, millitärisch, soldatisch (weil das Bildungsideal anders war), klassisch. Die Farbgebung begründet sich darin, dass ältere Schüler das Gymnasium besuchen, die nicht mehr so verspielt sind und es eher schlicht bevorzugen. Außerdem kann man Grau ewig anschauen im Gegensatz zu bunten Farben, an denen man sich nach einiger Zeit „satt sieht“. Die Fenster und Wände sind ausgewogen, wobei im Verhältnis zum gemauerten Gebäude viele große Fenster vorhanden sind, was wichtig ist, damit das Ganze durchschaubar wirkt und es nicht allzu sehr nach Gefängnis aussehen lässt.
 
Erkenntnis:
Ein Reifer Mensch erkennt Dinge und macht sich Gedanken über Zusammenhänge und Funktionsweisen.  Durch die Erkenntnis, dass sichtbar alles an senkrechten, tragenden Elementen aufgehängt ist, man deutlich sieht wie die Stockwerke und sogar die Räume aufgeteilt sind, wird auch deutlich dass man in der Schule lernt, wie Dinge funktionieren und in welchem Zusammenhang sie zueinander stehen.

Neubau:
Der Neubau im Westen ist grundsätzlich anders. Die Grundform ist nicht im Goldenen Schnitt, die Farbe der Wände ist gelb und dunkelgrau, schräge Linien durchziehen die Fassade. Auch die Fenster sind einzeln und ohne bestimmte Reihenfolge, spiegelverkehrt angebracht, denn es besteht keine konstruktive Notwendigkeit, die Fenster direkt übereinander zu legen. Die verglaste Treppe außen und zwei Runde Säulen brechen ebenfalls mit dem strukturierten Bild des alten Schulhauses.
Das unregelmäßige ist hier zum Prinzip geworden.