Freitag, 6. Januar 2017

Joseph Kosuth - Konzeptkunst

Künstler: Joseph Kosuth, Vertreter der Konzeptkunst :

Kunst muss nicht sichtbar oder anfassbar sein, die Idee ist bereits Kunst.

One and Three Chairs (Joseph Kosuth)  zeigt drei verschiedene Versionen von einem Stuhl. Von links nach rechts aufgereiht werden:

- die Fotografie eines realen Stuhles
- der reale Gegenstand
- Vergrößerter Lexikonauszug mit der Definition von 'Stuhl'
-Auffälligkeiten: 
Das Arrangement der 3 Bestandteile des Kunstwerks ist genau vom Künstler vorgegeben
Der reale Stuhl wird von einem Mitarbeiter des Museums/Galerie vor Ort ausgewählt. Es soll ein normaler, traditioneller und massenproduzierter Stuhl sein, evtl. typisch für die Gegend, aber kein Designobjekt!
vgl. Marcel Duchamp Objet Trouvé/Ready-Made

Das Foto wird von einem Fotografen, nicht vom Künstler selbst gemacht. Es ist eine frontale Aufnahme des realen Stuhls am Standort der Ausstellung, und wird auf die ursprünglichen Maße vergrößert.
Tiefenräumlichkeit und Farbe fehlen jedoch, und der abgebildete Stuhl hat keinen Kontakt zum realen Boden, er schwebt etwas höher als der reale Stuhl.
Der fotografierte Stuhl ist zwar nur eine Abbildung, wird aber problemlos als "Stuhl" identifiziert -> vgl. Magrittes Pfeife!

Der Lexikonauszug, in der Landessprache des Ausstellungsortes, enthält den Begriff und die allgemeine Definition des Stuhles.
Die sinnliche Wahrnehmung fällt bei einem Text völlig weg, ebenso jede Form individueller Gestaltungsmerkmale eines Stuhls. Der Begriff enthält andererseits in sich alle möglichen Erscheinungsformen von "Stuhl". -- Vgl. Platonische Ideenlehre


Titel
 "One and Three" könnte eine Anspielung auf die Idee der Dreifaltigkeit sein (Christentum)

Rolle des Künstlers
Er hat die Idee und liefert die Anleitung für den Aufbau.
Alle handwerklichen Arbeiten werden von Mitarbeitern des Ausstellungsortes übernommen.

Was ist das Kunstwerk? Was nicht?
Das Kunstwerk wird jedesmal speziell für den Ausstellungsort neu zusammengestellt. Es gibt kein "Original", nur das Konzept.
Das Kunstwerk existiert als physisch vorhandenes Werk, als fotografische Dokumentation und als Konzept (Aufbauanleitung, Titel)
Im Prinzip könnte jeder das Kunstwerk nach Kosuths Anleitung nachbauen.

Das Kunstwerk als Besitz, Wert- und Spekulationsobjekt, als etwas Einzigartiges, Schönes oder Dekoratives wird in Frage gestellt.


Der Begriff "Konzept" kam in der Spätrenaissance zustande. Der Grund: Es gab viele gute Maler, also viel Konkurrenz in der Künstlerbranche. Es reichte also nicht, technisch perfekt zu sein, sondern man musste dem Publikum eine neuartige, geistreiche oder provokante Idee bieten, das sogenannte "Concetto".


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen